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Fulminante Jenaer Strawinsky-Erstaufführung

Marius Sima interpretiert Igor Strawinskys Violinkonzert in D-Dur - gefolgt von einer glänzenden Aufführung von Antonin Dvořáks “Sinfonie aus der neuen Welt” durch die Jenaer Philharmoniker unter Kristiina Poska am vergangenen Freitag, den 3. März 2017. Es schreibt darüber Rezensent Dietmar Ebert.


Bravos und langer Applaus für Kristiina Poska und das Jenaer Orchester


Marius Sima Foto: A.Hub/JenaKultur
Die Leitung des Konzertes am vergangenen Freitag lag in den Händen der jungen, in Estland geborenen Dirigentin Kristiina Poska. Unter ihrem energischen Dirigat erklang zunächst Samuel Barbers Sinfonie Nr.1 op.9. Sie entstand während der Aufenthalte des Komponisten 1935 und 1936 in Rom und ist der erste Versuch Samuel Barbers, sich der sinfonischen Form zu nähern. Sie besteht aus einem einzigen Satz, in dem drei Themen miteinander vernetzt sind. Besonders in Erinnerung wird ein Thema im dritten Abschnitt bleiben, das durch melancholische Bögen der Oboe beeindruckte (hervorragend: Jörg Schneider). Es verdient Achtung und Respekt, wie die Dirigentin Kristiina Poska und die Jenaer Philharmoniker das einsätzige Werk, das noch ganz in der europäischen Musik des 19. Jahrhunderts verwurzelt ist, zu Gehör brachten.

Ganz anders das Violinkonzert in D-Dur von Igor Strawinsky, das der Geiger Samuel Dushkin 1931 unter der Leitung des Komponisten in Berlin aus der Taufe hob. Fast möchte man sich die Augen reiben, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Strawinskys Violinkonzert fünf Jahre vor Barbers Sinfonie uraufgeführt wurde, handelt es sich doch um völlige verschiedene Musikstile. In der Musiksprache der Moderne schimmert bei Strawinsky das Bach’sche Vorbild hindurch. Wie Konzertmeister Marius Sima alle technischen Schwierigkeiten meisterte, wie er das Spröde und das Tänzerische zu verbinden wusste, verdient höchste Anerkennung. Er verfügte über alle Ausdrucksmittel, um vor allem dem Ungewohnten und Ungewöhnlichen eine adäquate Klanggestalt zu geben. Streng hat Strawinsky den Solo- mit dem Orchesterpart verwoben. Damit sind dem Solisten enge Grenzen gezogen. Wie Marius Sima die Toccata, Aria I und II sowie das tänzerisch-beschwingte Capriccio mit nie nachlassender Intensität gespielt hat, wie er Schroffes, Sarkastisches, Tragisches und fast Scherzhaftes in einem modernen Gesang der Violine Ausdruck verlieh und das Konzert zu einem Ganzen formte, das war eine musikalische Glanzleistung. Glückwunsch zu dieser Jenaer Erstaufführung, die vom Publikum mit langem Beifall honoriert wurde. Diese Aufführung wird in die Annalen des Orchesters eingehen.
Freilich, man muss diese Musik mögen, denn sie sei, wie Strawinsky schrieb: „trocken, kühl, durchsichtig und prickelnd wie Champagner extra-dry“. Es steht zu hoffen, dass Marius Sima viele Zuhörer auf den Geschmack gebracht hat.

Unter der Stabführung von Kristiina Poska erklang gleichsam als Höhepunkt des Abends Antonin Dvořáks Sinfonie Nr. 9 in e-Moll, op.95, besser bekannt als seine Sinfonie „Aus der neuen Welt“. Mit Fug und Recht darf man sagen, dass sie Dvořáks bekannteste und beliebteste Sinfonie ist. Die Konzertaufführungen und Schallplatteneinspielungen dieser Sinfonie sind Legion. Umso beeindruckender ist, dass Kristiina Poska eine sehr eigene, in sich stimmige Interpretation der 9. Sinfonie von Antonin Dvořák vorlegte, der ganz offensichtlich die Verschmelzung der Traditionen aus der „alten und der neuen Welt“ zugrunde lag. Sie überzeugte durch ein sehr durchdachtes und energisches Dirigat und schuf ein Klangbild, das „wie aus einem Guß“ wirkte. Höchst energisch erklang der Kopfsatz, lyrisch, fast elegisch das Largo mit seinem berühmten Solo des Englisch-Horn (hervorragend Andrea Abé), tänzerisch anmutend mit feinen Holzbläser-Soli das Scherzo und sehr dynamisch das Finale. Das Faszinierende an Dirigat und Interpretation war, dass hörbar wurde, wie die amerikanisch-indianischen Musiktraditionen Dvořáks musikalische Sprache bereichert und sich mit der Sehnsucht nach seiner böhmischen Heimat verbunden haben.
Bravos und langer Applaus für Kristiina Poska und das Jenaer Orchester.

 


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