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„Allwo dort die schönen Trompeten blasen“

Dietmar Ebert über das 7. A-Konzert der Jenaer Philharmonie am vergangenen Mittwoch, den 15. März 2017 im Jenaer Volkshaus


Strahlender Trompetenglanz allüberall


Foto: Tobias Tanzyna
In diesem Konzert, das von strahlendem Trompetenglanz dominiert wurde, zeigte Marc Tardue, auf welch hohes musikalisches Niveau er die Jenaer Philharmoniker geführt hat. Vier Stücke ganz unterschiedlicher Stilrichtung und musikalischer Herkunft standen auf dem Programm. Das Verbindende war, dass in allen Werken die „schönen Trompeten blasen“, wie es in dem berühmten Lied aus Gustav Mahlers Zyklus „Des Knaben Wunderhorn“ heißt. Das Konzert begann mit einem Ohrwurm, der folkloristisch-tänzerischen Ouvertüre zu Bedřich Smetanas komischer Oper „Die verkaufte Braut“. Maestro Tardue ließ sie ebenso frisch wie differenziert musizieren, und das Orchester wurde dem böhmischen Idiom, das Smetanas bekannteste Oper durchwirkt, voll gerecht.

Gustav Mahlers „Blumine“ stammt ursprünglich aus seiner Zeit, als er Dirigent in Kassel war und die „Lieder eines fahrenden Gesellen“ schrieb. Sie ist ein Ständchen, eine Art Serenade. Bei der Uraufführung seiner 1. Sinfonie der „Titan“ 1889 in Budapest fügte Mahler „Blumine“ als 2. Satz ein. Doch bereits nach der Hamburger Erstaufführung entfernte Mahler „Blumine“ aus seiner 1. Sinfonie und reduzierte diese sehr zu ihrem Vorteil auf 4 Sätze. Die Jenaer Philharmoniker betonten in ihrer Aufführung die ursprüngliche Serenaden-Form. Zarte Streicherklänge, feine Holzbläser-Soli und das von Reinhold Friedrich im Treppenhaus geblasene Trompeten-Solo betonten die Klangschönheit und leise Sentimentalität in Mahlers „Blumine“.

Zugleich stimmte der Solist des Abends das Publikum im voll besetzten Volkshaus auf das Hauptwerk des Abends ein: Henri Tomasis Trompeten-Konzert aus dem Jahr 1948. Bei dessen Interpretation erwies sich Reinhold Friedrich als Meister auf seinem Instrument. Es war ganz erstaunlich, welche Töne und Klangfarben er ohne und mit verschiedenen Dämpfern der Trompete abzugewinnen vermochte. Souverän das Solo zu Beginn des ersten Satzes, ausdrucksvoll das Changieren zwischen frohem Spiel und Melancholie im Kopfsatz, klangschön das Duett zwischen Harfe und Trompete und die an Ravel und vielleicht auch ein wenig an Debussy erinnernde Instrumentation im Nocturne und voller Lebensfreude das Finale. Bald schien ein bisschen Gershwin durchzuschimmern, bald ein wenig korsische Folklore und immer wieder die französische Musiktradition des 20. Jahrhunderts. Als Dank an das begeistert applaudierende Publikum spielte Reinhold Friedrich „Predah“ (Trennung) des italienisch-israelischen Komponisten Luca Lombardi, der einst der letzte Schüler von Bernd Alois Zimmermann war. Komponiert hat Lombardi das bewegende Stück „Predah“ „in Memoriam Claudio Abbado“.

Die Sinfonie Nr. 1 c-Moll, op. 68 ließ Marc Tardue wie aus einem „Guss“ musizieren. Die Zuhörer spürten, wie alle Instrumentalistinnen und Instrumentalisten ganz in ihrem Element waren, und Maestro Tardue eine stimmige Interpretation gefunden hatte. Er ließ die großen melodischen Bögen spannen, ließ hörbar werden, wie sich aus einer Keimzelle immer neue Motive, Variationen und Klangfarben entwickeln, bis im Finalsatz sich die Musik machtvoll steigert, Horn-Thema, Bläserchoral und Streicher-Thema sich verflechten, ehe die Sinfonie mit einer vorwärtstreibenden, brillanten Coda endet. Es gelang Dirigent und Orchester, die Struktur der Sinfonie transparent werden und zugleich die melodischen, gesangsartigen Partien voll ausspielen zu lassen. Gerade das ist das Neue in der 1. Sinfonie von Johannes Brahms: die Verbindung von Rhapsodischem und Emotional-Liedhaftem in der sinfonischem Form. Ausgefeilt bis ins kleinste Detail fand das Orchester unter seinem Chefdirigenten zu einer ausgewogenen Balance zwischen gesangsartigem Streicherklang, Blechbläserfiguren sowie Horn- und Holzbläser-Soli.
Als Zugabe für das begeisterte Publikum erklang der „Ungarische Tanz“ Nr. 1 von Johannes Brahms.

 


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