Maximilian Hornung, Foto: Marco Borggreve
Maximilian Hornung, Foto: Marco Borggreve

 
Maximilian Hornung, Sie sind in dieser Spielzeit ARTIST IN RESIDENCE bei der Jenaer Philharmonie. Was bedeutet das für Sie?

Ich freue mich natürlich sehr, dass Jena klappt und dass auch trotz Corona alles mehr oder weniger wie geplant stattfindet. Auch wenn die ganze Saison noch im Schatten dieser Pandemie stehen wird, freue ich mich riesig darauf, dass ich da sein darf. Solche Zeiten als Solist in Residence finde ich immer sehr schön, weil man sich da so eine Art Fixpunkt aufbauen kann, also man hat einen Ort, an den man mehrmals hinfährt, und den man dann auch kennt, und wo man auch die Leute besser kennen lernt, und wenn man dann zum zweiten Mal hinfährt, dann fühlt sich das schon an, wie eine „zweite Heimat“. Das ist etwas Anderes, als wenn man irgendwo hinfährt und dann erst in zwei, drei Jahren wieder. So hat man alle zwei Monate das Vergnügen, an einen vertrauten Ort zu kommen. Das finde ich das Schönste daran.
 

Sie werden die Konzerte am 22. und 23. Oktober mit dem Cellokonzert von Haydn in C-Dur beginnen. Was bedeuten Ihnen die beiden Cellokonzerte von Haydn?

Die beiden Haydn-Cellokonzerte sind unsere Pendants zu den Mozart-Violinkonzerten, die wir ja nicht haben als Cellisten. Das sind unsere beiden klassischen Cellokonzerte. Für mich ist Haydns Musik überhaupt und besonders in den Cellokonzerten eine unglaublich abwechslungsreiche, sehr humorvolle Musik, die sich schon aus der Barockmusik heraus emanzipiert hat, die auch schon mit Melodien spielt, die auch bereits gesangliche Linien hat, die teilweise fast schon „romantisch“ sein können. Ich finde das Besondere an dieser Musik ist, dass sie schon romantische Melodielinien hat, die aber mit klassischem Charakter gespielt werden müssen.
 

In den drei Jenaer Konzerten kombinieren Sie das Cellokonzert von Vaja Azarashvili mit dem C-Dur-Cellokonzert von Haydn. Warum wählen Sie diese Kombination?

Ja, diese Kombination hat sich tatsächlich daraus entwickelt, dass ich das Azarashvili-Konzert immer mit Haydn kombiniert habe. Ich habe das schon ganz viel gespielt, ehe ich es später aufgenommen habe. Diese Kombination funktioniert extrem gut und ist sehr abwechslungsreich. Ich wollte dem Azarashvili-Konzert auf der Sony-Aufnahme einen gebührenden Platz geben. Die beiden Haydn-Cellokonzerte sind so bekannt, sind so ein Standardrepertoire, dass das Azarashvili-Konzert zwischen ihnen sehr gut platziert war. Ich wollte dem Konzert, weil ich es so mag und so schätze, und weil ich es so gern und oft spiele, einfach einen „gebührenden Platz“ einräumen.

Ich habe Azarashvili getroffen und das Konzert mit ihm erarbeitet. Ich war in Georgien. Die Musik ist sehr geprägt von der georgischen Mentalität und der Geschichte des georgischen Volkes. Die Menschen dort sind sehr lebensfroh und tanzen sehr gern. Sie haben eine sehr große Volksmusiktradition. Auch im Cellokonzert von Azarashvili gibt es sehr viele Rhythmen und Anklänge an die georgische Volksmusik. Das Cellokonzert ist sowjetische Musik, und hat doch eine ganz, ganz eigene Klangsprache. Es ist so eine Mischung von Schostakowitsch, Strawinski, aber auch französischen Komponisten, vielleicht ein bisschen Debussy, ein bisschen Messiaen. So etwa muss man sich das vorstellen.
 

In den Oktoberkonzerten werden Sie zunächst vom Solistenpult das Orchester führen und dann später ans Dirigentenpult wechseln. Ist das eine Sparmaßnahme der Philharmonie, eine Auflage des Gesundheitsamts oder hat das künstlerische Gründe?

Das hat natürlich künstlerische Gründe. Simon Gaudenz hat mich, als wir die Konzerte geplant haben, gefragt, ob ich ein Konzert mit dem Orchester leiten möchte ohne Dirigenten. Das ist eine sehr schöne Sache, da kommt man als Solist noch enger mit dem Orchester in Kontakt. Sonst ist immer der Dirigent die Vermittlungsfigur zwischen Solist und Orchester. Das heißt, auf dem Künstler, in diesem Fall auf mir, lastet die gesamte künstlerische Verantwortung. Das ist natürlich eine sehr große Herausforderung, aber auch eine schöne Möglichkeit für mich, mit dem Jenaer Orchester ganz intensiv zusammenzuarbeiten.

Und dann habe ich Simon Gaudenz irgendwann gefragt:
„Pass‘ mal auf, ist es denn möglich, dass ich auch dirigieren darf?“ Denn Dirigieren, das ist seit Jahren ein Hobby von mir, und ich studiere das auch an der Münchner Musikhochschule. Das ist etwas, das ich schon seit ein paar Jahren mache. Ich habe noch nicht so viele Konzerte dirigiert, aber doch ein paar, auch ein paar „playconducts“ habe ich gemacht, und Simon Gaudenz hat sofort „Ja“ gesagt. Ich muss ein bissel vorsichtig sein, denn Dirigieren habe ich nicht so von Grund auf gelernt wie Cello-Spielen. Ich freue mich sehr, und ich bin im Moment ganz intensiv beim Lernen der 4. Sinfonie von Beethoven; ich freue mich riesig, dass wir das machen können.
 

Haben Sie Lampenfieber vor Ihren Konzerten?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich habe manchmal extrem starkes Lampenfieber, manchmal überhaupt nicht, manchmal nur ein bisschen. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn es nur so ein bisschen ist, ist es am besten. Ohne ist verdächtig und zu viel, ist auch nicht gut. Ich bin eigentlich immer ganz froh, wenn ich ein bisschen nervös bin … Da ist das Adrenalin da, da ist man auch wacher im Kopf. Das gehört genauso dazu, wie, wenn man sich vor dem Konzert einen Anzug anzieht, wenn man sich nochmal die Finger wäscht und wenn man noch mal Kolophonium auf den Bogen schmiert. Genauso dazu gehört auch das Lampenfieber.

Vielen Dank Herr Hornung für das Telefoninterview, eine gute Zeit für Sie und bis bald beim Konzert im Jenaer Volkshaus.

Maximilian Hornung, Foto: Marco Borggreve
Maximilian Hornung, Foto: Marco Borggreve

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