· Volkshaus/Großer Saal

  Donnerstag 28.02.2019 20:00 Uhr

Volkshaus/Großer Saal

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Donnerstagskonzert № 5

Der Boston Globe schwärmt von ihrer „reichen und silbrigen“ Stimme, hochkarätige Gesangswettbewerbe (Metropolitan Opera National Council Auditions, Liederkranz, Lotte Lenya, Mario Lanza) haben sie mit Preisen bedacht: Im 5. Donnerstagskonzert wird die amerikanische Solistin Elizabeth Reiter das Jenaer Publikum begeistern. Sie interpretiert die „Orchesterlieder für hohe Stimme“ des preisgekrönten Musiktheoretikers, ausgewiesenen Klangästheten und Doktors der Philosophie Joseph Marx (1882-1964). Freuen Sie sich auf eine doppelte Premiere!

Das Programm im Detail:

Hans Rott:
Pastorales Vorspiel

Joseph Marx:
Orchesterlieder für hohe Stimme

Erich Korngold:
Sechs einfache Lieder op. 9,  daraus: Schneeglöckchen (Nr. 1), Ständchen (Nr. 3), Liebesbriefchen (Nr. 4), Sommer (Nr. 6)

Richard Strauss:
Rosenkavalier-Suite TrV 227d, op. 59

Elizabeth Reiter, Sopran
Jenaer Philharmonie
Christoph Altstaedt, Leitung

In unserem heute recht friedlichen Konzertleben gerät es in Vergessenheit, mit welcher Heftigkeit Kontroversen um die Vorherrschaft der künstlerischen Position in Wien zwischen 1880 und 1920 geführt wurden. Mancher ist im Streit um Bruckner/Wagner gegen Brahms zermürbt worden bevor er produktiv in ihn hätte eingreifen können. Hans Rott waren nur ein paar Jahre vergönnt. Mahler, der sein Genie erkannte, war noch zu jung, um ihm helfen zu können.

Weniger existentiell, aber nicht minder scharf, wurde der Streit um das Orchesterlied in Wien am Ende des 19. Jahrhunderts geführt. Die konservativen Musikästheten sahen einen Widerspruch zwischen dem lyrisch-innerlichen Liedgehalt und den Äußerlichkeiten des Orchesterapparats. Ein großes Orchester erdrückte für sie das Gedicht Dichtung und stünde durch seine Vielstimmigkeit der Forderung nach einer einheitlichen Grundstimmung des Liedes ganz entgegen. Ein Orchesterlied wurde als „Zwitter“ beschimpft, weil es wie eine Pastellskizze anmutet, die um äußerer Effekte willen zum Ölgemälde aufgeblasen worden wäre.

Der heute fast vergessene Joseph Marx, seinerzeit eine große Künstlerpersönlichkeit Wiens, bearbeitete mehrere seiner Klavierlieder zu Orchesterliedern. Erich Korngold ging diesen Umweg gar nicht erst, sondern komponierte seine Lieder op. 9 von vorne herein für Singstimme und Orchester.

Richard Strauss positionierte sich in seinem „Rosenkavalier“ in dem wohl entscheidenden Streit der Musik um 1910 auf die Seite derer, die die Tonalität nicht aufheben wollten. Er komponierte mit seiner wohl beliebtesten Oper eine nostalgische Musik, die eine unwiederbringlich verlorene „Welt von gestern“ heraufbeschwört. Schon 1911, als diese „Komödie für Musik“ uraufgeführt wurde, erschien sie als eine Rückschau auf eine versunkene Kultur. Als er 1944 eine Suite aus der Oper arrangierte, musste das „theresianische Wien“ vollends wie die Fiktion einer vielleicht besseren, mit Sicherheit aber unerreichbar fernen Welt gewirkt haben.

Sebastian Urmoneit

Elizabeth Reiter

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