Samstagskonzert № 4 am 28.03.2025
Ein Konzertabend voller rhythmischer Energie
Alexander Schuchert und René Münch verhalfen Philip Glass’ „Konzertfantasie für 2 Pauker und Orchester“ zu starker Wirkung
Das Konzert am Samstag, den 28. März 2026, stand ganz im Zeichen unbändiger rhythmischer Energie. Zu Beginn spielte das Orchester der Jenaer Philharmonie George Gershwins Orchester-Rhapsodie „Ein Amerikaner in Paris“ aus dem Jahr 1928. Simon Gaudenz brachte das Orchester zum Swingen und Grooven, herrlich erklang der Ragtime, der den durch Paris schlendernden amerikanischen Touristen charakterisiert, wunderbar der von den Trompeten intonierte Blues und voll rhythmischer Energie der schmissige Charleston. Die Besucherinnen und Besucher im gut gefüllten Saal des Volkshauses wurden durch die mitreißende Aufführung von Gershwins populärer Orchester-Rhapsodie ganz in deren Bann gezogen. Man spürte förmlich das Lebensgefühl auf den Pariser Straßen in den 1920er-Jahren.
Der ARTIST IN RESIDENCE der Jenaer Philharmonie, Robert Seidel, ergänzte die Musik mit live entstandenen Tuschezeichnungen, die auf die Leinwand projiziert wurden. Sowohl während Gershwins Orchester-Rhapsodie als auch während Philip Glass’ „Konzertfantasie für 2 Pauker und Orchester“ entstanden in rascher Folge filigrane abstrakte Gebilde, die nach meinem Eindruck weniger mit der Musik korrespondierten, als vielmehr eine eigene Parallelwelt zum Ausdruck brachten.
Die Solisten in Philip Glass’ „Konzertfantasie für 2 Pauker und Orchester“ waren der Solopauker der Jenaer Philharmonie, Alexander Schuchert, und der stellvertretende Solopauker und Schlagzeuger, René Münch. In vielen Orchesterkonzerten wirken sie im Hintergrund und beeinflussen so maßgeblich den Orchesterklang. Obwohl die Schlagwerker in der letzten Reihe stehen und nicht von allen Plätzen gut sichtbar sind, vollbringen sie in jedem Konzert eine wichtige Leistung, prägen sie doch Motorik und Farbe des Gesamtklangs ganz entscheidend. Es war eine glänzende Idee von Simon Gaudenz, den Solopauker und seinen Stellvertreter einmal nach vorn zu holen und ein hierzulande selten gespieltes Konzertstück spielen zu lassen, in dem sie ihr immenses schlagtechnisches Können und die Ausdruckskraft ihrer Instrumente einem interessierten Publikum präsentieren konnten. Dafür war Philip Glass’ „Doppelkonzert“ wie geschaffen.
Wie Alexander Schuchert und René Münch im ersten Satz mit kraftvollen Schlägen den Puls der Musik bestimmten und die Intensität ihres Spiels bis zu einem ekstatischen, nahezu hypnotisch wirkenden Tutti steigerten, das war atemberaubend. Im zweiten, langsamen Satz überzeugten beide Pauker mit lautmalerischen Klängen und ließen eine bedrohliche Stimmung ahnen. In der Kadenz zu Beginn des dritten Satzes zogen Alexander Schuchert und René Münch alle Register ihres Könnens, zunächst mit Schlegeln, dann mit Paukenschlägen, die sie mit bloßen Händen erzeugten, um die Lautstärke der Schläge zu erhöhen. Nach einem plötzlichen Beckenschlag steigerte sich die Intensität des Orchesterspiels, und die beiden Pauker gaben einen unaufhörlich treibenden Puls vor. Immer lauter und enthusiastischer wurde ihr komplexes, großartig aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel, das eine immer größere Dynamik entfaltete und in einem kraftvollen, triumphierenden, von Rachmaninow inspirierten Finale mündete.
Alexander Schuchert und René Münch haben im Zusammenspiel mit der Jenaer Philharmonie und Simon Gaudenz dem „Doppelkonzert“ von Philip Glass zu starker Wirkung verholfen. Das Publikum bedankte sich für ihr exaktes, kraftvolles, sehr schnelles und hochkonzentriertes Spiel mit enthusiastischem Applaus, Bravo-Rufen und stehenden Ovationen. Beide Solisten spielten als Zugabe Nebojša Živković’ „Trio per uno“ in einer Duo-Version und lösten durch ihre in rasantem Tempo gespielten Pauken- und Trommelwirbel großen Jubel aus.
Dieses energiegeladene, ganz dem Rhythmus gewidmete Konzert hat bei allen, die es besucht haben, einen starken Eindruck hinterlassen, wird lange nachwirken und in bester Erinnerung bleiben.
Dr. Dietmar Ebert
Fotos: JenaKultur, Alexandra Münch


