Selten zu hörende Kostbarkeiten der Kammermusik

Großer Beifall für die Pianistin Cora Irsen und das Trio Viklarello

Cora Irsen, Foto: Guido Werner
Cora Irsen, Foto: Guido Werner

Die Kammerkonzerte der Jenaer Philharmonie bieten mit ihren vielgestaltigen Programmen immer wieder so manche Überraschung, was die Werkauswahl betrifft. So auch am Sonntagvormittag, wo Cora Irsen (Klavier) und das Trio Viklarello (Weronika Tadzik: Violine, Christof Reiff: Klarinette, Henriette Lätsch: Violoncello) mit dem Quartett von Paul Hindemith begannen. Zugleich Spiegelung eines Stückes Zeitgeschichte, 1938 bei einem USA- Aufenthalt begonnen zu komponieren und schließlich an seinem zukünftigen Zufluchtsort in der Schweiz vollendet. Mäßig bewegt beginnend von der Klarinette intoniert wird man in den 3 Sätzen in ein dramatisches Geschehen mitgenommen, das im reich gegliederten Finale noch einmal das Ganze lebhaft reflektiert, sozusagen Klassizismus moderner Prägung und hohe Anforderungen an alle Akteure stellend.

Erst recht bei der Wiedergabe der „Variations on a theme by Mozart“ von Ron Weidberg (geb. 1953). Der israelische Pianist und Komponist studierte unter anderem in den USA. Er wirkt seit 2000 als Lehrer an der Universität in Tel Aviv und ist mit seinen vielen Kompositionen aller Genres einschließlich Oper bekannt geworden. Was sich mit dem Klavier beginnend in den zahlreichen Variationen vollzieht, erfordert höchste Virtuosität nicht nur von der Pianistin Cora Irsen, sondern von allen Mitwirkenden, die Mozart im Blick einschließlich perfektem Zusammenspiel nun rhythmisch und klanglich den Zeitgeist der Gegenwart widerspiegeln.

Nach diesem ersten Höhepunkt des Kammerkonzertes folgte am Ende die Wiedergabe des Quartett e-Moll op. 1 aus der Feder von Walter Rabl (1873-1940). Bei J. F. Hummel studiert, von Brahms gefördert, wurde ihm für dieses Opus 1896 der 1. Preis beim Komponisten-Wettbewerb zuteil. Gearbeitet hat er vorwiegend als Dirigent in Dresden und Magdeburg. In den vier Sätzen erlebt man noch einmal die Spätklassik und den Aufbruch in die Moderne. In seiner Komplexität überzeugend dargeboten und vom Publikum entsprechend gewürdigt.

Hans Lehman

Foto: Guido Werner

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