Was bedeutet es, sich musikalisch mit dem Tod auseinanderzusetzen? Simon Gaudenz und die Jenaer Philharmonie nähern sich dieser Frage mit einem Programm, das keine Antworten geben will, sondern unterschiedliche Perspektiven auf die letzten Dinge eröffnet.
Schuberts „Unvollendete“ rahmt den Konzertabend: Ihr erster Satz eröffnet ihn mit einer Musik von aufwühlender Intensität, ihr zweiter beschließt ihn mit einer eigentümlichen Entrücktheit. Dazwischen erklingt Johann Sebastian Bachs Choral „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“ – eine stille, andächtige Zäsur, die der Jenaer Madrigalkreis gestaltet, ehe Modest Mussorgski in seinen „Liedern und Tänzen des Todes“ den Tod selbst zu Wort kommen lässt: schonungslos, unmittelbar und ohne jede Beschönigung. Andreas Bauer Kanabas gestaltet die vier Lieder in Dmitri Schostakowitschs Orchesterfassung. Olivier Messiaens „Le Tombeau resplendissant“ setzt mit leuchtenden Farben und eruptiven Rhythmen einen radikal anderen Akzent: ein Requiem auf die eigene Jugend, voller Verstörung und Energie. Knut Nystedts Chorwerk „Immortal Bach“ führt schließlich in eine weitere Sphäre. Nystedt greift dafür auf Bachs „Komm, süßer Tod“ zurück und lässt die vertraute Choralgestalt durch unterschiedliche Tempi und zeitliche Verschiebungen in ein schwebendes, vielstimmiges Klanggeschehen übergehen. So wird Schuberts „Unvollendete“ zum Ausgangs- und Endpunkt eines Abends, der den Tod nicht als Gewissheit begreift, sondern als offene Frage – eine Auseinandersetzung, die die Musik auf ihre eigene Weise weiterführt. /JN
Programm
Franz Schubert:
Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 („Unvollendete“),
daraus: 1. Allegro moderato
Johann Sebastian Bach:
„Ich will den Kreuzstab gerne tragen“, geistliche Kantate BWV 56,
daraus: „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“, Choral
(Aufführung a cappella)
Modest Mussorgski:
„Песни и пляски смерти“ („Lieder und Tänze des Todes“), Liederzyklus für Singstimme und Klavier
(Arr. für Singstimme und Orchester von Dmitri Schostakowitsch)
Olivier Messiaen:
„Le Tombeau resplendissant“ („Das prächtige Grabmal“) für Orchester
Knut Nystedt:
„Immortal Bach“ („Unsterblicher Bach“) für vierstimmigen gemischten Chor a cappella op. 153b
Franz Schubert:
Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 („Unvollendete“),
daraus: 2. Andante con moto
Mitwirkende
Andreas Bauer Kanabas, Bass
Jenaer Madrigalkreis
Berit Walther, Leitung
Jenaer Philharmonie
Simon Gaudenz, Leitung


