Das Programm erzählt von Komponist*innen, die ererbte Formen neu befragen. Frank Bridges „Phantasy“ für Klavierquartett entstand für den berühmten Cobbett-Wettbewerb, der britische Komponisten dazu anregte, die alte englische „Fancy“ aus der Zeit Purcells wiederzubeleben: ein einziger, durchgehender Satz, der mehrere Stimmungen und Tempi durchläuft. Auch Claude Debussy blickt in seiner Violoncellosonate zurück – auf die Klarheit und Eleganz der französischen Musik, wie sie Couperin und Rameau verkörpern, und setzt sich damit in seinen letzten Lebensjahren bewusst als „musicien français“ von der deutschen Spätromantik ab. Näher an der Gegenwart liegt Paul Ben-Haim: 1933 aus Deutschland nach Palästina emigriert, verbindet er in seinen „Variationen über eine Hebräische Melodie“ die europäische Kompositionstechnik seiner Ausbildung mit modaler Melodik und orientalischen Klangfarben, die im Austausch mit der Sängerin Bracha Zefira und unter dem Einfluss des sogenannten „Mediterranean Style“ der frühen israelischen Kunstmusik zu prägenden Elementen seiner Tonsprache wurden. Mélanie Bonis’ „Soir“ und „Matin“ setzen dazu zwei fein gezeichnete Kontraste: ein ruhiger Abend, ein unruhig erwachender Morgen. Zum Ausklang zeigt Frank Bridge mit „Pensiero“ und dem „Allegro appassionato“ noch einmal zwei Seiten seines Komponierens – nachdenklich und leidenschaftlich zugleich. /JN
Programm
Frank Bridge:
„Phantasy“ („Fantasie“) für Klavierquartett fis-Moll
Paul Ben-Haim:
„Variationen über eine Hebräische Melodie“ für Klaviertrio op. 22
Claude Debussy:
Violoncellosonate
Mélanie Bonis:
„Soir“ („Abend“) und „Matin“ („Morgen“) für Klaviertrio op. 76
Frank Bridge:
„Pensiero“ („Gedanke“) und Allegro Appassionato b-Moll für Viola und Klavier
Mitwirkende
Weronika Tadzik, Violine
Karina Suslov-Götz, Viola
Alexander Wegelin, Violoncello
Batya Murvitz, Klavier


