Der Nachthimmel ist eine Projektionsfläche: für Sehnsucht und Fantasie, große Gefühle, aber auch menschlichen Übermut. Offenbachs „Reise auf den Mond“ macht aus diesen Zutaten eine aberwitzige Oper: Die turbulente Ouvertüre gibt den Ton für ein Abenteuer vor, bei dem mitgebrachte Äpfel ein Liebeschaos auf dem Mond auslösen.
Lanners „Abendsterne“ verleihen der Szenerie Glanz, Debussys „Clair de Lune“ lässt das Mondlicht zur Stimmung werden und Humperdincks „Sternenreigen“ macht die Gestirne zu tanzenden Schönheiten. Lehár erweist sich hingegen als bodenständiger Meister des Recyclings: Seinen Weihnachtswalzer versah er mit dem Titel „Sternennächte“, und sein „Sterngucker“ musste erst einer neuen Handlung weichen, um der Musik zum Erfolg zu verhelfen. Ganz im Zeichen des höchsten römischen Gottes und größten Planeten unseres Sonnensystems vereint das Finale von Mozarts „Jupiter“-Sinfonie göttliche Erhabenheit, orchestrale Pracht und Energie.
Nach der Pause reisen in Linckes „Frau Luna“ Berliner Handwerker zum Mond – und ein gutes Stück Berlin gleich mit. Johann Strauss lässt es mit „Unter Donner und Blitz“ und der „Explosions-Polka“ ordentlich krachen – zur Begrüßung des neuen Jahres durchaus angemessen. Zwischen Gewitter und Detonation folgen Bruder Josef Strauss’ „Sphärenklänge“ der pythagoreischen Sphärenharmonie – und wenn die Gestirne schon Musik machen, dann natürlich im Dreivierteltakt. Offenbachs „Ballett der Schneeflocken“ bringt noch einmal die Mondwelt des Anfangs zurück, bevor John Williams’ „Star Wars“-Main Title aus dem Universum ganz großes Kino macht.
Ein Programm, das den Blick weit nach oben richtet, getragen von der puren Spielfreude des Orchesters – genau das Richtige für Ihren Jahreswechsel. /JN
Programm
Jacques Offenbach:
Ouvertüre zur Opéra-féerie „Le voyage dans la lune“ („Die Reise auf den Mond“), daraus: Allegro maestoso
Joseph Lanner:
„Abendsterne“, Walzer op. 180
Claude Debussy:
Suite bergamasque (Suite aus Bergamo) für Klavier solo,
daraus: 3. „Clair de Lune” („Mondglanz“)
(Arr. für Orchester von André Caplet)
Engelbert Humperdinck:
„Der blaue Vogel“, Schauspielmusik nach einem Weihnachtsmärchen von Maurice Maeterlinck,
daraus: „Sternenreigen“, Walzer
Franz Lehár:
„Sternennächte“, Walzer
„Der Sterngucker“, Operette,
daraus: Marsch-Intermezzo
Wolfgang Amadeus Mozart:
Sinfonie Nr. 41 C-Dur „Jupiter“ KV 551,
daraus: 4. Molto allegro
Paul Lincke:
Ouvertüre zur Operette „Frau Luna“
Johann Strauss (Sohn):
„Unter Donner und Blitz“, Polka schnell op. 324
Josef Strauss:
„Sphärenklänge“, Walzer op. 235
Johann Strauss (Sohn):
Explosions-Polka op. 43
Jacques Offenbach:
„Le voyage dans la lune“ („Die Reise auf den Mond“), Opéra-féerie,
daraus: Nr. 27 Ballet des flocons de neige (Ballett der Schneeflocken; 3. Akt), 1. Introduction. Moderato und „Les hirondelles bleues“ („Die Blauen Schwalben“). Scherzando
John Williams:
„Star Wars“, Suite für Orchester,
daraus: 1. Main Title (Haupttitel)
Mitwirkende
Jenaer Philharmonie
Daniel Spaw, Leitung


